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Motorrad fahrenin den Ardennen

Der Motorrad-Guide in den Ardennen: die besten Strecken, Touren, Streckensperrungen, Sehenswürdigkeiten und Anreise.

Die Ardennen sind ein Mittelgebirge im Westteil des Rheinischen Schiefergebirges und ziehen sich über die belgische Region Wallonien, den Norden des Großherzogtums Luxemburg und das französische Département Ardennes. Im Osten gehen sie an der belgisch-deutschen Grenze in die Eifel über. Es ist kein Hochgebirge, sondern ein bewaldetes Hochplateau, in das sich die Flüsse tief eingeschnitten haben: die Maas und ihre Zuflüsse Ourthe, Amblève, Semois und Lesse. Genau dieser Gegensatz — offene Höhen über schluchtartigen Tälern — macht das Revier fürs Motorrad aus.

Motorradfahren in den Ardennen

Die Höhen bleiben moderat, was die Region fast ganzjährig befahrbar hält. Der höchste Punkt ist das Signal de Botrange mit 694 Metern, zugleich der höchste Punkt Belgiens; die höchste rein den Ardennen zuzurechnende Erhebung ist die Baraque de Fraiture mit 652 Metern. Nach Nordwesten fällt das Plateau auf 200 bis 250 Meter ab. Zwischen diesen Marken liegt der Reiz: lange, gleichmäßige Züge auf den Kammlagen und enge Kehren dort, wo eine Straße zum Fluss hinunter und auf der Gegenseite wieder hinauf muss.

Das Herz des nördlichen Reviers ist das Hohe Venn (Hautes Fagnes), ein Hochmoor-Plateau von über 600 Quadratkilometern beiderseits der Grenze und Teil des grenzüberschreitenden Naturparks Hohes Venn-Eifel. Über die Hochfläche führt die N68, die Route de Botrange, direkt am Signal de Botrange vorbei. Anders als in den Tälern ist die Linienführung hier weit und offen, die Sicht reicht über Heide, Moor und Fichtenriegel. Das Klima ist rau — 1.400 bis 1.500 Millimeter Niederschlag im Jahr, Nebel an 160 bis über 170 Tagen —, was in der Praxis kühle Sommerluft und an klaren Tagen eine ungewöhnlich weite Fernsicht bedeutet. Wer früh startet, hat die Fagnes oft für sich.

Die tragende Nord-Süd-Achse ist die N68. Auf gut 82 Kilometern verbindet sie die deutsche Grenze bei Raeren mit der luxemburgischen bei Gouvy und fädelt dabei Eupen, Malmedy, Stavelot, Trois-Ponts und Vielsalm auf, als Teil der Europastraße E421. Sie ist die natürliche Klammer für Tagesrunden, weil von ihr die Talstraßen der Amblève und ihrer Nebenflüsse abzweigen. Quer dazu klettert die N30 von Lüttich kommend über die Baraque de Fraiture auf 652 Meter — der höchste Straßenpunkt der belgischen Provinz Luxemburg, im Winter mit kleinem Skibetrieb, im Sommer eine luftige Höhenquerung ohne alpinen Passcharakter.

Die Burg Vianden auf dem Bergrücken über dem bewaldeten Ourtal
Burg Vianden über dem Ourtal am Rand der Ardennen

Der zweite Charakter des Reviers steckt in den Flusstälern. An der oberen Ourthe liegt La Roche-en-Ardenne in einem engen Talkessel, über dem eine Burgruine aufragt; die Straßen folgen dem Fluss in dichten Bögen, wechseln von Schatten in Licht und zurück. Weiter südwestlich mäandert die Semois in großen Schleifen durch bewaldete Hänge bis nach Bouillon auf rund 220 Metern, keine fünf Kilometer vor der französischen Grenze. Ein Musterbeispiel ist das Amblève-Tal um Stavelot und Trois-Ponts, wo sich Straße und Fluss den schmalen Talgrund teilen und die Kurven dem Wasserlauf gehorchen. Diese Talrouten fahren sich völlig anders als das Venn: kurzer Kurvenrhythmus, ständige Lastwechsel, immer wieder Brücken über das Wasser. Der Reiz liegt im Wechsel — an einem einzigen Tag lassen sich offene Hochfläche und Schluchtstraße ohne große Umwege aneinanderreihen.

Dieses Fahrgefühl ist das eigentliche Kapital der Ardennen. Auf dem Plateau steht das gleichmäßige Rollen im Vordergrund, weite Radien, wenig abruptes Bremsen, der Blick geht weit voraus. Kaum verlässt man die Höhe, kippt der Rhythmus: Serpentinen ziehen sich am Hang hinab, der Wald rückt eng heran, und am Talgrund reihen sich kurze, blinde Kurven entlang des Wassers, bis die Gegenseite wieder aufwärts führt. Wer beides an einem Vormittag kombiniert, hat den typischen Ardennen-Mix — schnelle Kammabschnitte, technische Talpassagen, dazwischen ruhige Verbindungsstücke durch Fichten- und Buchenbestände. Die Höhenunterschiede fallen dabei nie extrem aus, doch sie kommen dicht getaktet: Von der Kuppe bei rund 650 Metern bis zum Talgrund um 200 Meter liegen oft nur wenige Kilometer, und das Motorrad wechselt entsprechend häufig zwischen Zug und Kehre.

Die Distanzen sind kurz und die Grenzen nah, was das Revier zum Baukasten macht. Als schnelle Klammer dient die Autobahn A26/E25, die das Gebirge quert und an der Baraque de Fraiture (Ausfahrt 50) mitten im Hochland ausspuckt — praktisch, um zwei kurvige Etappen ohne Leerlauf zu verbinden. Von der Nordflanke sind die deutsche Eifel und das luxemburgische Ösling in Reichweite, im Süden schließt das französische Ardennental der Maas an. Bei Francorchamps liegt mit dem Circuit de Spa-Francorchamps eine der bekanntesten Rennstrecken Europas — hier als Landmarke im Straßenbild, nicht als offene Strecke. Der Belag ist auf den Hauptachsen überwiegend griffig; schmale Waldsträßchen bleiben dagegen länger feucht und laubbedeckt, und das Hochplateau trocknet im Frühjahr später ab als die geschützten Täler.

Motorrad auf einer Landstraße durch die Ardennen
Unterwegs auf den Ardennenstraßen

Die Ardennen sind ein kompaktes Mittelgebirgs-Revier mit zwei klar getrennten Fahrbildern — weite Kammstraßen über dem Hohen Venn und enge, kurvenreiche Talrouten an Ourthe, Amblève und Semois, verbunden durch benannte Achsen wie die N68, N30 und N676. Von Mai bis Oktober sind die Höhen zuverlässig frei; im Hochwinter kann auf dem Venn Schnee liegen, im Mittel an 70 bis 80 Tagen mit geschlossener Decke. Wer Kurvenreichtum auf kleinem Raum sucht, ohne Hochgebirgs-Aufwand, findet hier eines der dichtesten Reviere Nordwesteuropas.

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